Geschichten der Nacht (I)

Es war gegen drei Uhr nachts. Noch mitten in meiner dreijärigen Ausbildung an der Tankstelle.

Gerd taumelte wieder auf die Eingangstür der Tankstelle zu. Hackevoll von der durchzechten Nacht die für ihn wie immer schon um drei Uhr Mittags anfing. Gerd war klein und dick. Eigentlich ein bemittleidenswerter Kerl der immer Pech hatte im seinem Leben, seine Trauer erstickte er im Suff und das konnte er ganz gut, also behielt er es einfach bei.

Gerd war anders als die anderen Suffköppe, er war fast sowas wie Schizophren.
“Schimanski. Kripo Hamburg!”, brüllte es mir Gerd entgegen als er noch zwischen Tür und Angel stand. Er glaubte wirklich er wäre Schimanski um kurz danach seinen HSV-Mitgliedsausweis zu zücken und mir die gleiche Geschichte zu erzählen, wie ich sie mir seit Anfang meiner Ausbildung anhören durfte. “Schimanski. Kripo Hamburg! Ausweise her!”.

Auch in dieser Nacht gab es für ihn kein Alkohol mehr bei uns, nur noch Kaffee. Wenn es dann zuviel wurde mit ihm, alleine schon Lautstärketechnisch, dann haben wir ihm ein Taxi gerufen, denn so konnten wir den keine 5 Kilometer an der Bundesstraße entlang heim laufen lassen. Wenn er dann mal nicht wollte, drohten wir einfach seinen Vater anzurufen und dann spurte er wieder, mit 45 Jahren…

Das war das ganz normale “Gerd-Programm”, aber in der nächsten und meiner letzten Nacht des “3-Tage-Nachtschicht-Rythmuses” war es doch seltsam. Er kam angewankt und wollte den Kloschlüssel, als er dann wieder kam, stellte er sich ganz Ruhig an den Bistrostisch im Shop und schwieg. Nach einer Viertelstunde machte ich mir dann aber doch Gedanken und ging zu ihm:
“Hey, wasn mit dir los?”
“Nix!”
“Erzähl mir doch keinen Scheiss, was los?”
“Tut weh!” sagte er mit weinerlicher Stimme.
“WAS tut weh? Der Kopp? Bei deiner Sauferei mein Lieber!”
“Nein, nicht der!”
“Sondern?” und als ich ich von der Seite musterte fiel mir der rote Fleck im Schritt auf, “SCHEISSE, GERD was hast du denn gemacht?”
“Eingeklemmt!”
“Du hast dir deinen Penis um Reissverschluss eingeklemmt?”
“Ja und ich hab gezogen und gemacht der ging aber nicht mehr los! Probierst du mal?”
Der wollte wirklich das ich es probiere…
“Nein Gerd, wirklich nicht! Ich ruf den Krankenwagen und keine Widerrede.”

Fünf Minuten war der Krankenwagen da und die nächste Nacht war Gerd wieder da, aber erzählte kein Wort und wir beide haben darüber auch nie wieder geredet. Arme Wurst!

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2 Kommentare zu „Geschichten der Nacht (I)“

  1. refu sagt:

    Verrückt nach Mary. Brr, sowas will ich mir nicht mal vorstellen.

  2. Tom sagt:

    Autsch, das muss aber auch weh tun – da würde ich auch nicht mehr drüber reden wollen, geschweigen denn dran denken…

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