Quo vadis?

Es ist nicht einfach in diesen Zeiten. Viele Tankstellenpächter suchen neue Einnahmequellen und das Geschäft ändert sich quasi im Jahresrythmus. Wer kennt denn heute noch eine Tankstelle an der es neben Benzin noch höchstens ein oder zwei Getränkesorten, ein paar Kaugummies und ein paar Süsswaren hat?

Wer heute an die Tankstelle geht, der bekommt oft seine Pakete angenommen, denn dort stehen Paketshops von Hermes und Co. Oder wie wäre es mit dem Backshop, der den kleinen Bäcker um die Ecke am Sortiment schon fast überholt und hier wird gleich mehrfach am Tag frisch gebacken.

Es fehlt ein Anhänger? Kein Problem, hat die Tankstelle um die Ecke eigentlich auch. Hier tummeln sich von Monat zu Monat mehrere Anbieter die Anhänger entweder im Leasing oder Mietkauf anbieten und den Pächtern so zur Verfügung stellen und nebenbei kann noch Lotto gespielt werden. Wer dann noch sein Jacket in die Reinigung bringen muss, der darf natürlich das Ganze auch noch da lassen!

Achja die Gasflaschen nicht zu vergessen. Das sind nur ein paar Nebenverdienste die eine Tankstelle heutzutage als Diensleistungen anbieten. Und sie sind wichtig. Viele könnten ohne diese neuen Einnahmequellen überhaupt nicht mehr existieren. Es ist dieser Mix aus den ganzen Geschäften die noch ein Plus unter die Bilanz “zaubern” von dem auch der Pächter ein ordentliches Auskommen generieren kann.

Die neuen Renner an der Tankstelle sind auch nicht mehr die Sixpacks oder Getränke aus der Cola-Range, sondern frische Fruchtmixes aus der Flasche mit einem guten Duft aus dem Backofen, der im Stundentakt neue Brötchen bäckt.

Und das muss bei den “Alten” ankommen, bei denen, die eine Tankstelle vor zig Jahren übernommen haben weil sie z.B. den KFZ-Meister in der Tasche hatten und sich die Werkstatt so Klasse mit der Tankstelle verband. Oder der, der etwas Ahnung von Autos hatte und so sein Können optimal beim Motorölcheck etc. “verarbeiten” konnte.

Das alles ist nun aber vorbei, jeder der sich in dieser Zeit auf Stur stellt und diese ganzen neuen Maßnahmen außer acht lässt und auch keinen Wert darauf legt, dass Mitarbeiter aktiv verkaufen, den Shop nicht immer und immer wieder neu Optimiert, keine neue Produkte ausprobiert und keinerlei Risikobereitschaft auf neue Wege eingeht, der wird in dieser Landschaft wohl untergehen.

Wer heute als Pächter auf eine Tankstelle geht der muss bereit sein, sich immer und immer wieder Neu einzustellen und sich bewusst werden, dass unser Kraftstoffverkauf fast nur noch dazu dient die Leute auf den “Hof” zu bekommen und der Rest, liegt in der eigenen Hand. Es verkauft sich nichts von alleine.

Ladenschlussgesetze, Verkaufsverbote von Alkohol, immer teurere Preise beim Kraftstoff und Tabakwaren, schlechte Margen im ganzen Sortiment sind die Aufgaben die heute auf uns warten. Morgen wird es die immer größer werdende Konkurrenz und Übermorgen werden wir selbst zum Problem. Denn Convience bedeutet immer mehr Wissen über den Kunden, die Produkte und optimale Verkaufspräsentationen.

Am Ende des Tages wird immer nur eines Feststehen: Wir haben heute wieder zu wenig für Übermorgen gelernt! Aber es kann ein Job sein, der viel Spass bringt und immer wieder Neues bietet. Eine Herausforderung die Wahrgenommen werden will und geschafft werden kann, man muss es nur wollen und sich des Ganzen im klaren sein!

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4 Kommentare zu „Quo vadis?“

  1. Sebastian sagt:

    Traurig, aber leider wahr.
    Seltsamerweise ist das bei Tankstellen der einzig
    mir bekannte Extremfall. Man stelle sich
    vor der Chef sagt zum Klemptner Gesellen :
    “Bub hör zu, mit Waschbecken allein klappt es
    nicht mehr, absofort machen wir noch Raum-
    ausstattung und Feng-Shui. Bist ja eh in der
    Wohnung, da gibst du den Leuten gleich eine
    Beratung, nachdem du den Wasserhahn getauscht
    hast.

  2. José David sagt:

    Hallo Patrick,

    ich bin eigentlich jemand, der nur zum Tanken die Tankstelle aufsucht. Wenn ich mir aber ansehe, was für ein Sortiment da mittlerweile geführt wird, wundere ich mich immer wieder, ob sich das rentiert. Scheinbar ist aber gerade das Problem, dass sich mit dem Tankgeschäft selbst nicht mehr so viel machen lässt.

    Wie ist das eigentlich: Kommen die Leute grundsätzlich zum Tanken UND nehmen sich noch etwas nebenbei mit (Essen, Trinken, Zeitschrift, etc.) oder gibt es auch Leute, die sich nur wegen dem Kaugummi (um es überspitzt zu sagen) blicken lassen? Jetzt mal ausgenommen die Lotto-Spieler, da gibt’s ja einige bei euch.

    Ähnlich wie du, arbeite ich auch in einer Branche, in der es um die zukünftigen Energieträger geht. Deshalb war mir bewusst, dass sich durch die steigenden Energiepreise auch bei euch Veränderungen einstellen. Dass ihr aber auch mit Verkaufsverboten von Alkohol rechnen müsst und dem Rest – das war mir nicht so klar.

    Deshalb habe ich mich jetzt auch dafür entschieden, euch zu unterstützen, indem ich in erster Linie nur noch bei euch tanke. Morgen oder übermorgen ist es dann schon soweit, dass ich wieder etwas tanken muss. Wahrscheinlich ein schwacher Trost, ich gehöre nämlich nicht zur Sorte, die sich noch Chips, Kasten Bier und die Bildzeitung kaufen. ;-)

    Adiós,

    José David

  3. patrick sagt:

    olâ!
    @sebastian: ja wir sind wirklich ein extremfall, aber es gibt noch einen: den klassischen kiosk. dem nehmen nämlich wir das geschäft weg, die ähnlichkeit sieht man schon an den gleichen lieferanten.
    aber es ist wirklich so, dass wir uns wesentlich öfters als andere immer und immer wieder neu erfinden müssen!

    @david: danke für deine worte und am ende auch taten :-) sowas erfreut natürlich. erfreulich daran ist aber eher, dass soziale in deinen worten.

    ja ntürlich gibt es diese klassischen shopkäufer. und dieser macht gute 15 – 20% des täglichen kundenstammes aus. meisten sind es zigaretten, seltener bier.
    die nachbarschaft sieht uns natürlich nicht als nahversorger (wie auch), aber als alternative im kleinen.
    sei es nur eine zeitung oder am sonntag mal die grillwirst.

    ja es ist eben das problem, dass wir auf zuvielen baustellen werkeln müssen!

    lg patrick

  4. Sebastian sagt:

    Die größte Misere ist imho, das wenn der Sprit “günstig” ist, dir die Leute
    die Tür einrennen, du kaum zum verschnaufen kommst. Du dummerweise
    aber nix mehr, oder kaum was im Shop umsetzt.

    Ist zumindest bei uns immer so. Am besten für den Pächter sind eigentlich
    relativ hohe Sprit-Preise, diejenigen die dann kommen verweilen somit länger im Shop und nehmen meist etwas mit.

    Wie Patrick erwähnte sehe ich Stammkunden bzw. Rentabilität meist morgens
    wo sich die Leute ihre Zeitung, Zigaretten bzw. ein Gute-Morgen-Getränk für
    den Tag holen.

    Aber David du brauchst dich mit deiner Einstellung nicht verstecken, du bist
    nicht allein. Trotzdem bist du auch wichtig, denn durch dich erfahren z.B. Bekannte und Freunde, das deine Stammtanke supertoll/superbillig etc.
    ist, die kommen dann ja auch dort hin, und kaufen evtl. auch was.

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