In der Zeit meiner Ausbildung musste ich die Nachtschichten eigentlich nur übernehmen, wenn einer der zwei festangestellten Kassierer in Urlaub ging. Ich mochte diese Schichten. Drei Tage in Folge je 11 Stunden arbeiten um danach drei Tage frei zu haben.
Ich bin sowieso eigentlich ein Nachtwandler und so kamen mir auch die Zeiten sehr entgegen, eigentlich hätte ich sogar gerne mehr Schichten Nachts übernommen.
Es war der Endspurt meiner Ausbildung, die schriftliche Prüfung lag kurz bevor und es war die vorletzte Nacht meiner Drei-Tage-Schicht und danach kam die entsprechende Kollegin auch aus Ihrem Urlaub nach Hause, so das ich mich noch zwei Wochen etwas auf die Prüfung vorbereiten konnte.
Nachts zu Arbeiten war für mich auch wesentlich effektiver, so konnte ich in Ruhe noch Inventuren fahren und Abschreibungen im Büro vorbereiten, denn meist kamen nur vereinzelt Kunden in den Shop, so das keine Hektik ausbrach, wenn ich zwei Minuten nicht an die Kasse konnte.
Die Nacht war für mich schon fast gelaufen, die Zeitungen wurden schon geliefert und einsortiert hatte ich auch schon alles. Die ersten Brötchen waren fertig gebacken, nun mussten nur noch die Croissants fertig werden, im Ofen waren sie schon. Es muss gegen halb Fünf Uhr morgens gewesen sein. Noch eine halbe Stunde und der morgendliche Verkehr auf der B9 beginnt. Dann geht es los, dann wird es wie immer meist sehr Hektisch. Bild- und Allgemeine Zeitung, Brötchen, Croissant, Getränke und nicht zuletzt Zigaretten. Ruck-Zuck tummeln sich zehn äußerts eilige Kunden im Shop herum und jeder will so schnell es geht wieder ins Auto.
Ich war also soweit mit meiner Arbeit fertig, musste nur darauf warten bis die Croissants endlich fertig sind, ich bereitete die zweite fuhre Brötchen vor und setzte mich kurz hinter die Kasse um die “Bild” zu durchblättern, etwas vertieft im Sportteil hörte ich die Tür öffnen.
“Guten Morgen!” rief ich und las noch die letzte Zeile des Artikels fertig, im Sitzen stand ein Ständer mit Birnen vor mir, der mir die Blick in den Shop versperrte. Ich stand auf und war etwas verduzt das niemand an der Kasse stand, ich schaute etwas nach links in den mittleren Teil des 110m² großen Shops und was ich dann sah, dass kommt mir vor wie gestern.
Mein Herz kribbelte und Gänsehaut überfuhr meinen Körper. Mitten im Shop stand eine maskierte Person mit einer riesigen verspiegelten Sonnenbrille. Er drehte sich zu mir um, machte circa 10 große Schritte auf mich zu und Stand nun genau vor mir an der Theke. Ich war so verblüfft über diesen Moment, dass ich absolut sprachlos war.
“Überfall! Gib mir das Geld!”
Ich weiß, dass ich vielleicht zwei, drei Sekunden regungslos da stand und versuchte zu erkennen, ob der Revolver geladen war. Oder eine Spielzeugpistole. Ich kenne mich allerdings mit Waffen absolut nicht aus. Die Waffe wirkte echt, ich konnte zwar in der Trommel keine Patronen erkennen, war mir aber auch nicht sicher, ob man die von der “falschen” Seite – also von vorne – erkennt. Vermutlich schon, aber das war mir alles zu Heikel. Abgesehen davon, dass er die Waffe dermaßen seltsam hielt, dass ich nur die – von mir aus – rechte Seite der Trommel zu sehen bekam.
Ich öffnete die Kasse und gab ihm um die 500 € in Scheinen, vor allem 5er, 10er und 20er. Ich glaube es war ein oder zwei 50er Scheine dabei.
Er schrie wieder: “Wo sind die ganzen 50er?”, worauf ich – immer noch total unter Schock – erwiderte: “Es ist Nacht, da hab ich nicht mehr in der Kasse!”.
Er drehte sich herum und lies dabei noch einen der zwanzig Euro Scheine fallen und verschwandt aus dem Shop. Ich schloss sofort die Tür und rief die Polizei. Es dauerte circa 5 Minuten bis drei Polizeiautos auf dem Gelände standen, die Polizistin die zu mir kam, fragte mich zuerst nach meinem Gesundheitszustand. Aber mir ging es gut. Zwar zittrig und etwas durch den Wind, aber Körperlich war nichts zu beanstanden. Durch das Funkgerät hörte ich folgende Sätze – zwar nicht im O-Ton, aber den Sinn trifft es:
“Absperrung der Autobahn in Richtung Koblenz sowie Mainz/Frankfurt erfolgt!” – “Strasse Richtung Waldlaubersheim/Stromberg auch abgesperrt!” – “Wir laufen nun die Waldwege ab!”
Kompliment an die Polizei, im Nachhinein wurde wirklich komplett der ganze Wohnort durchgrast. Mittlerweile denke ich aber, dass war Sinnlos, der Täter wird wahrscheinlich direkt in eine der Sozialbauten geflüchtet sein, wo er wohl auch wohnen wird. Aber egal, die Polizei hat ihre Möglichkeiten vollkommen ausgeschöpft.
Ich rief dann die Kollegin an, die zwei Stunden später normalerweise Dienst gehabt hätte, erklärte ihr die Sache schnell und sie kam auch zügig, damit ich zur Kripo konnte.
Der ganze Vorfall liegt nun circa 15 Minuten zurück, auf dem Gelände befinden sich immer noch zwei Polizeiautos mit Blaulicht und auch die Spurensicherung war da und inspizierte die Theke, als ein Kunde den Laden betritt: “Oh, Überfallen worden?”. Am liebsten hätte ich einfach gesagt: “Nein du Depp, machen wir jeden Morgen!”…
Auf der Kripo habe ich dann eine halbe Stunde lang meine Aussage zu Protokoll gegeben, ein halbes Jahr später kam Post von der Staatsanwaltschaft, dass die Ermittlungen eingestellt wurden und alles zu den Akten gelegt wird. Klar, was sollen sie auch sonst machen.
Den letzten Tag meiner Nachtschicht, habe ich übrigens auch Angetreten, denn eines war mir klar, wenn ich nicht jetzt wieder ganz Normal weiter mache, werde ich nie wieder eine Nachtschicht übernehmen. Und von so einem Vollspastie mir meinen Job zerstören zu lassen, nein, wirklich nicht.
ShareSchlagworte: Geschichten der Nacht, Überfall

Leider sehen die Spielzeugwaffen (wieso werden überhaupt SPIELZEUG-Waffen verkauft?) tatsächlich oft aus wie echte Waffen, dass nicht einmal Profis diese auf Anhieb erkennen können.
Von daher würde ich nie auf die Idee kommen, da großartig herumzuspekulieren, sondern würde gleich vom schlimmsten Fall ausgehen. Theoretisch natürlich. Da lässt sich ja viel behaupten.
Ehrlich gesagt: Ich wüsste gar nicht, wie ich bei einem solchen Überfall reagiert hätte.
Naja, hauptsache, dir ist nichts passiert.
hallo,
ja es ist in diesem moment auch irrelevant was man darüber bisher gehört hat, diese ganze aktion hat wenn überhaupt zwei minuten gedauert und das war es. eher weniger. wesentlich weniger…
und bis man überhaupt seine gedanken geordnet und realisiert hat, was los ist, ist der typ schon wieder weg. dazu kommt noch das ich wusste kaum geld in der kasse zu haben, wobei selbst 500 waren noch etwas zuviel.
mhh naja bei den spielzeugwaffen bin ich auch der meinung, dass es ein erkennungsmerkmal geben sollte, dass jedem sofort klar macht, dass das teil nicht echt ist, wobei selbst dann abzuwägen ist was man nun macht, denn wer weiß ob die person nicht noch ein messer oä im gepäck mit sich trägt…
aber ich muss ehrlich sagen, ich hab in diesem moment garnicht mit dem gedanken gespielt, dass er mir etwas antuen könnte, wieso auch immer und hat in meinen gedanken und überlegungen danach, eigentlich nie eine wirklich rolle gespielt…. sehr leichtsinnig…
Ich bezweifle auch, dass jeder, der einem eine Knarre vorhält, automatisch ein kaltblütiger Mörder ist. Nicht selten sind es ja Menschen, von denen die Freunde/Verwandte/Nachbarn “soetwas NIE für möglich gehalten hätten”.
Spielzeugwaffen gehören meiner Meinung nach in Kinderzimmern verboten. Wieso wird Kriegsspielzeug überhaupt hergestellt bzw. an Minderjährige verkauft?
sag es mit abba.
money, money, money, its so funny, in a richmans world.