Baustellenband. Rotes-Weisses Flatterband. Absperrband.
Ich glaube, für diese Rot-Weisses Absperrbänder gibt es in jeder Region Deutschland einen eigenen Namen. Aber in ganz Deutschland versteht man den Sinn derselbigen: Achtung! Stop! Nicht betreten!
Außer in einem kleinen Dorf im Westen Deutschlands, dort Widersetzt sich ein ganzes Dorf und seine Touristen gegen diese allgemeingültige Regel.
Ich habe mich nach diesen nun, 5 Tagen, daran gewöhnt das niemand das Absperrband an den zwei Ausfahrten beachtet und munter darunter hindurch läuft oder fährt.
Ich sitze schon den ganzen Morgen hier und gebe die Ware in das neue Kassensystem ein, aufgrund der fühlingshaften Temperaturen um die 23°C habe ich die Eingangstür offen und alle Fenster geöffnet.
Damit die Kunden nicht auf die Idee kommen, ich würde hier im Shop Ware verkaufen, habe ich noch einen Streifen Absperrband vor die Eingangstür geklebt. Nun sollte eigentlich jeder diese doppelte Absperrung begreifen. Sollte.
Kurz nach 8 Uhr, also eine Stunde vor sonstiger Öffnungszeit am Sonntagmorgen:
Ein älterer Kunde steht an der Tür: “Und was ist mit Zeitungen?”
Ich: “Ja, ihnen auch einen Guten Morgen!”
Kunde 1: “Was? Ich will eine Zeitung!”
Ich: “Tut mir leid, aber wie Sie sehen bauen wir gerade um und öffnen erst Morgen um 14 Uhr wieder, bis dahin haben wir auch keine Zeitungen!”
Kunde 1: “Toll! Wie kann man nur so unflexibel sein. Sprach es und ging!”
Mittlerweile ist es kurz vor 9 Uhr und der nächste Kunde steht an der Tür, da ich im Büro sitze bemerke ich erst einmal nichts.
“HAAAAAALLLLLOOOO?”
Ich stehe auf und sehe, dass der Kunde schon im Zwischengang zum Büro steht.
Ich: “Guten Morgen. Wir haben leider geschlossen! Kann ich trotzdem beilflich sein?”
Kunde: “Geht die noch?” und hält mir seine Routex-Flottenkarte unter die Nase.
Ich: “Nein, die funktioniert hier in Zukunft leider nicht mehr!”
Kunde vollkommen trotzig: “Pfff, dann auf Nimmer Wiedersehen!”
Er geht raus und steigt in seinen schönen X5 und fährt vom Gelände. Unnötig zu erwähnen das er schon an der Zapfsäule stand!
Mittlerweile habe ich tatsächlich schon zwei Stunden keinen Kunden mehr gehabt und ich sehe nur noch vom Fenster aus, wie eine ältere Dame mit ihrem AOK-Shopper über das Gelände schlürft. Ich denke mir nur noch, naja die wird eine Abkürzung nehmen wollen, sei es ihr gegönnt. Wird schwer genug sein mit kaputten Knochen einen kleinen Spaziergang bei dem schönen Wetter zu machen!
Ein paar Minuten vergehen, ich muss mir mittlerweile neue Ware zum Eintippen holen als ich sehe wie die ältere Dame mitten im Shop auf einem Stuhl sitzt. Eigentlich ist das unser “Kassenstuhl”, der hinter der Theke steht, wird aber seit den Umbauarbeiten nur von Links nach Rechts geschoben!
Ich: “Oh, guten Morgen, entschuldigung, ich habe Sie garnicht gehört!”
Kundin: “Ja, ich war auch ganz leise damit ich nicht störe!”
Ich: “Sie waren extra leise? Haha, okay. Kann ich helfen?”
Kundin: “Ja, ich brauche Zeit!”
Ich: “Davon habe ich leider auch nicht genug hehe! Kann ich sonst noch helfen?”
Kundin vollkommen irritiert: “Ich habe auch Geld dabei!”
Ich mittlerweile auch irritiert: “Öhm, entschuldigung, aber mir wäre nicht bekannt, dass man Zeit kaufen kann…!”
Kundin: “NATÜRLICH! Kaufe ich schon ewig!”
Ich: “Wo denn bitte?”
Kundin: “HIER! SCHON IMMER!”
Dafür das manche Kunden schon IMMER kommen, habe ich diese seit zwei Jahren noch nie gesehen!
Ich: “Ja, was machen wir denn da! Ich habe zur Zeit keine Zeit da (Wortspiel!)”
Kundin: “Warum redest du so mit mir? Ich bin doch nicht dumm im Kopf, da hängt doch die Zeit!”
In dem moment macht es bei mir auch endlich Klack. Na klar. Sie will DIE ZEIT. Eine Wochenzeitung. Okay.
Ich: “Achso, sie wollen die Wochenzeitung! Entschuldigung, nun habe ich es verstanden. Prinzipiell kein Problem, aber ich bräuchte es bitte passend. Weil ich ahbe kein Wechselgeld da!”
Kundin: “Das ist DEIN Problem!”
Ich: “Nein. Entweder Sie haben es passend oder sie lassen die Zeitung einfach hier. In dem Ton brauche ich mich nämlich nicht anmachen zu lassen, außerdem wusste ich nicht das wir uns kennen!”
Ich habe wirklich kein Problem damit geduzt zu werden, aber nicht auf diesem Niveau.
Kundin: “Pah, was denkst du wer du bist! Du dummer Junge!” sprach es und die Kundin stieg flott unter dem Flatterband hindurch auf den Hof, schnappte sich den AOK Shopper und war recht flux verschwunden.
Diesen Job muss man nicht immer lieben…
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Veröffentlicht in Arbeit