Es mag mit den “besonderen Kunden” in letzter Zeit nicht aufhören, ich hoffe ihr seid nicht schon ganz genervt. Ich zitiere kurz ein bisschen aus der Wikipedia zum Taschengeldparagrafen [www]:
Die Überlassung des Taschengelds zur freien Verfügung oder zu einem bestimmten Zweck ersetzt also die Zustimmung zu dem konkreten Vertragsschluss.
Die Vorschrift macht in Deutschland den Umgang mit dem eigenen Taschengeld für beschränkt geschäftsfähige Minderjährige, d. h. Minderjährige, die das 7. Lebensjahr vollendet haben, flexibler, weil alltägliche, kleinere „Geschäfte“ wie der Kauf einer CD oder ähnliches ohne Zustimmung der Eltern im Einzelfall möglich gemacht werden
Soweit, so gut, ich denke wir wissen nun in welchem Rahmen wir uns hier bewegen, ich sage mal, alles bis 15 oder maximal 20 Euro fällt darunter, der Rest ist ersteinmal zu teuer.
Generell sollte man sich natürlich Fragen, ob man einem 9 Jährigen eine Telefonkarte für 50 Euro verkaufen sollte…
Die Situation war folgende, es gibt ja seit ein paar Wochen diese Match Attax Sammelkarten [www]. Ein Päckchen kostet einen Euro und darin befinden sich sechs Sammelkarten, die Teile gehen weg wie warme Semmel. Pro Woche verkaufen wir knapp 400 (!!!) Päckchen Sammelkarten. Die Hauptzielgruppe liegt meiner Meinung nach zwischen 8 und 14 Jahren. Der normale Verkauf liegt ungefähr zwischen 3 und 5 Päckchen pro Kunden.
Um nun zur Hauptstory zu kommen, es ist Mittwoch Abend, kurz nach sieben Uhr, ein junger Kunde, 8 Jahre, betritt den Laden und hat 60 Sammelkarten in der Hand. Lose. Ohne Verpackung.
Er hätte sie gerne zurückgegeben, sein Vater wolle das nicht. Meine Kassiererin reagierte richtig und verweigerte den Wunsch. Ich meine, was sollen wir denn mit 60 losen Sammelkarten? Die kann ich doch niemandem mehr für den annähernden normalen VK-Preis verkaufen…
Der Junge verlor zwar ein paar Tränen, aber was soll ich denn machen?
Circa 15 Minuten später klingelt mein Handy, meine Mitarbeiterin erklärte mir kurz den Sachverhalt und sagte, dass der Vater nun da wäre und mich sprechen wolle. Na bitte!
Kunde: “Ja hallo, $Name hier!”
Ich: “Guten Abend, wie kann ich helfen?”
Kunde: “Mein Sohn hat hier ZEHN Euro für Fussballkarten ausgegeben! Das kann nicht sein! Das darf nicht sein! Das ist Betrug!”
Ich: “Huiuiui, nun mal ganz langsam! Sie kennen den Taschengeldparagrafen? Da fällt ihr Sohn mit 8 Jahren und zehn Euro locker darunter! Ich würde die Karten ja prinzipiell auch zurücknehmen, aber die sind schon aufgerissen und aus der Verpackung gezogen? Was soll ich da denn machen? Ich würde mich mit ihnen einigen können, wenn sie sagen, dass ich alle Karten für fünf Euro bekomme. Aber das muss reichen, vielleicht bekomme ich die dann ja noch los!”
Kunde: “Das kannn doch nicht wahr sein, ihr seid Betrüger! Ich verarscht hier die Leute und die kleinen Kinder mit eurer Profitgier. Das erzähl ich überall herum!”, sprach es und plötzlich hatte ich meine Kassiererin wieder am Telefon:
“…der ist aus dem Shop gerauscht mit dem Kind unterm Arm!”
Na bitte… es gibt Wochen…
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Einer 9 Jährigen? Würds nicht tun…