Ich habe mir den ganzen Tag Gedanken darüber gemacht, wie ich diesen Beitrag anfange. Nein, eigentlich stimmt das nicht. Ich habe mir den ganzen Tag Gedanken über den ganzen Text gemacht.
Das gerade wir an der Tankstelle sehr viel intensiven Kundenkontakt haben, brauche ich kaum jemandem erzählen.
Viele Kunden sehen wir mindestens einmal am Tag. Und wenn es nur die Schachtel Zigaretten sind. Oder der Kaffee. Oder die Flasche Bier, Jägermeister. Kurz: Alkohol.
Nachts steigt diese Intensität um ein vielfaches. Nach einer Woche Nachtschicht lebt man manchmal ein anderes Leben mit, man fühlt mit den Kunden, baut Verbindungen auf.
Manche Kunden, bleiben einem aber auch im Gedächtnis, weil Sie einfach auf Ihre Weise seitlich des Stromes schwimmen.
So T.! T. kam jede Nacht, kaufte einen doppelten Espresso zum mitnehmen und ein Päckchen Camel ohne Filter. Jede Nacht.
Ich kenne Ihn nur mit Anzug, frisch rasiert, gutes Aftershave. Ein gepflegter Mann. Durchweg freundlich, immer.
“Einen doppelten Espresso bitte”, “vielen Dank”, “einen wunderschönen Dienst”…
Er blieb mir im Gedächtnis, wegen seiner unglaublichen Freundlichkeit. Und wegen seines ungewöhnlichen Zeitpunktes zum Aufstehen. Mitten in der Nacht. Oder ins Bett gehen!
Dann noch das Detail, dass er bei einer Management-Casting-Show im TV mitmachte. Erfolglos.
Ich habe T. seit dem Ende meiner Ausbildung Mitte 06 nicht mehr wieder gesehen.
Meine Tankstelle ist nun circa 60km entfernt meiner Ausbildungsstätte, abseits der Autobahn und Bundesstraße. Das ich einen ehemaligen Kunden wiedersehe, wäre der pure Zufall.
Und doch traff ich T. Montag wieder. Er stand dort heruntergekommen mit einem Fahrradanhänger und vier Pfandgasflaschen und wollte Sie zurückgeben!
“Patrick… Das ich dich nochmal wiedersehe!”
“T.? Guten Morgen… Was ein Zufall!”
“Aber hallo. Wow der Luftwechsel hat dir wirklich gut getan! Aus dir ist ja ein richtig hübscher Mann geworden!”
T. war jemand, der unglaublich gut mit Worten umgehen konnte, sich direkt beliebt machen. Aber diese Worte waren Schall und Rauch. Dieser Mann, hat in drei Jahren anscheinend sein Selbstwertgefühl verloren.
Der Atem war durchzogen von Hochprozentigem. Qualm. Altem Schweiss.
Sein Äußeres war ausgezehrt, seine Kleidung abgetragen.
“T. was machst du denn hier?”
“Ich arbeite im Innenausbau und muss für den Chef Gasflaschen abgeben!”
“Achso, na dann gib die mal her.”
Ich lud die Flaschen aus und überreichte ihm knapp 150 Euro!
Wir wechselten noch zwei, drei kurze Sätze und dann verabschiedete ich mich. Montags ist nicht der Tag, andem ich viel Zeit für private Dinge habe.
Heute Morgen standen zwei Polizisten für meinem Büro, man Suche einen Mann der Gasflaschen-Diebstahl begehen würde.
Ich dachte anscheinend laut: “T.?”
“Ach Sie kennen den Herren?”, einer der Polizisten klappte eine Mappe auf. Darin das Bild und der vollständige Name des Kunden.
Mir schoss eigentlich nur durch den Kopf: “Verdammt…, dass hätte ich mir Denken müssen!”, aber ich glaube ich wollte es an dem Tag nicht wahr haben…
Ich erzählte den zwei Beamten wie mein Verhältnis zu T. ist, wieso ich ihn kenne.
Ich würde T. gerne helfen, aber ich glaube ich bin die faölsche Person. Wie soll ich jemandem helfen, der säuft? Ich könnte ihm Arbeit geben, aber Alkoholprobleme sind nichts für die Tankstelle. Zu Nah am Stoff. Zu nah am Geld. Zumindest für einen Alki mit Geldproblemen.
Gerne würde ich ihm helfen, aber jemanden ohne “anscheinend” festen Wohnsitz finden und helfen? Fast aussichtslos…
Ich weiuß nicht, wieso T. mich so mitnimmt, aber er tut es. obwohl mir das nicht passieren dürfte.
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