Schwierige Hilfe

Ein Kunde rief an und teilte mir mit, dass er gestern Mittag bei uns getankt hätte. 40 Liter. Dabei wäre der Tank doch noch zu einem Viertel gefüllt gewesen. Das könnte also alles garnicht stimmen. Er fährt das Auto seit 15 Jahren und hat das noch nie erlebt. Das hätte er der etwas korpulenterin Mitarbeiterin auch beim Bezahlvorgang erzählt. Außerdem hätte kurz zuvor ein Jeep an der Zapfsäule gestanden um Diesel zu tanken, aber irgendwie ging das nicht und danach habe er getankt, da müsse was Schief gelaufen sein.

Ich kann die Kunden nachvollziehen, die erstmal nicht verstehen wieso zuviel getankt wurde. Ich nehme solche Beschwerden ersteinmal auch Ernst. Allerdings haben sich die Vorfälle bisher immer aufgeklärt. Davon abgesehen, dass die Prozentzahl der Kunden die sich über Mengenabweichungen beim Tankvorgang beschweren fast gegen Null tendieren.

Man muss bei jedem Fall verschiedene Ansätze in Betracht ziehen. Zum einen Temperaturschwankungen und damit die Dehnung des Kraftstoffes. Okay, bei einem Auto meist vernachlässigbar, allerdings bei sehr genauen Kunden eine Teillösung. Wir hatten es die letzten Tage sehr warm, gestern der erste kältere Tag. Da kann mal ein Liter “verschwinden”. Ich betone: Kann.
Jedesmal wenn wir Kraftstofflieferungen bekommen, werden zwei Werte angegeben die abgegeben wurden. Einmal die Literzahl bei der momentanen Temperatur und einmal bei 15°C.
Bei einer Schwankung von 0,4°C reden wir hier immerhin von ca. 0,5%.

Ein weiterer Teilbereich können Reservetanks im Auto sein, die nicht im Handbuch aufgeführt sind. Teilweise werden diese über einen kleinen Knopf im Tankbereich “freigegeben”. Plötzlich können fünf bis zehn Liter mehr in den Tank gefüllt werden, meistens unabsichtig durch eine falsche Bewegung des Zapfhahns.

Auch nicht zu Vernachlässigen ist, dass gerade ältere Autos noch Schwimmer im Tank haben, der Schwimmer also den Tankstand ins Cockpit “sendet”. Steht man mit dem Auto nun Bergab oder Bergauf, ist teilweise die Tanknadel ein paar Minuten auf einem falschen Stand, bis das Auto wieder ausreichend lange in horizontaler Richtung bewegt wurde und der Schwimmer den korrekten Stand neu versenden kann.

Teilweise wird auch vergessen, dass man den Stand vor circa über 100km abgelesen und sich gemerkt hat.

Kommen wir nun zu dem Fall, dass die Zapfsäule ein Eichproblem hat. Das kann theoretisch natürlich passieren, aber das habe ich in den letzten zehn Jahren nicht einmal mitbekommen oder erlebt. Deswegen kommt in einem festen Rhytmus das Eichamt und eicht die Säulen neu. Laut EU-Gesetzen gibt es auch eine gewisse Toleranzgrenze zugunsten der Mineralölgesellschaften bzw Tankstelleneigentümern.

Außer diesen Argumenten, kann ich dem Kunden immer nur anbieten, unseren 5-Liter-Kanister zu nehmen und dort 5 Liter hinein zu tanken. Der Wert sollte dem Kunden ja schonmal weiterhelfen, für den Rest müsste er sich mit der MÖG auseinandersetzen.
Klar rufen wir auch gerne das Eichamt an, sollten diese aber feststellen, dass alles Okay ist mit den Säulen, dann wird das dem Kunden in Rechnung gestellt.

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5 Kommentare zu „Schwierige Hilfe“

  1. TC-Supertanke sagt:

    Ich synchronisiere immer Videoaufzeichnung und Journaleinträge. Damit lassen sich fast alle Missverständnisse aufklären!
    Aber der Erklärungen sind derer noch nicht genug! Laut meiner Erfahrung sind bis zu 95% der Kunden die Ursache für die Missverständnisse, weil z.B. auch vergessen wurde, dass ja noch der Reservekanister betankt wurde etc.

  2. patrick sagt:

    @TC: und wer gibt das als kunde im nachhinein noch zu? man kann da leider immer nur lieb hilfe geben, aber irgendwann ist eben schluss!

  3. TC-Supertanke sagt:

    Nein, Schuld ist immer die Technik oder der Mitarbeiter und die Tankstelle im allgemeinen!!!
    Kommt aber natürlich auch immer auf das Auftreten des Kunden an!!!

  4. Debe sagt:

    Manche Leute verstehe ich nicht.

    Kommt mir die getankte Menge komisch vor (Tageskilometerzähler sagt 500, Tankuhr sagt mehr als 40l – kann nicht sein!) dann werde ich das sofort an der Tankstelle bemängeln: Ich tanke fast nur bei einer Tankstelle, meist sogar an der selben Säule, und immer bis zum “Klick”, auf ein paar hundert Kilometer gleichen sich auch Staus und Ampelrennen (*g* quatsch) wieder aus.
    Je deutlicher die Abweichung, desto wahrscheinlicher, dass es mir sofort auffällt.

    Und wenn ich dann zuhause beim Eintragen ins Fahrtenbuch feststelle, dass ich vier Liter mehr gebraucht habe als zu erwarten wäre, dann ist es mir einfach viel zu blöde, dafür zur Tankstelle zu fahren, für einen Fünfer mache ich mich doch nicht zum Affen – vermutlich ohne dafür irgendetwas zu erzielen, denn der Tankwart wird mir bestimmt nicht einfach Bargeld in die Tatze drücken (“Wir haben gerade so viel davon da, wollen Sie welches mitnehmen?”). Vielleicht wäre das eher ein Fall für einen Werkstattbesuch… oder einen Psychotherapeuten.

  5. cohn structa sagt:

    jaja, die lieben Autofahrer..

    Das Ganze geht auch mit Heizölkäufer oder auch Tankstellenpächter.

    Natürlich ist es Quatsch sich um 4 Euro mit dem Tankwart zu streiten, wenn man das Gefühl hat beschissen worden zu sein, wird man dann wohl eher nicht mehr dort tanken.

    Aber: Es gibt die TS, die den Diesel über 15° Zähler geliefert bekommen, aber ja über Ist-Temperatur abgeben, bei einem netten Umsatz, gerne auch mit Hochtank im Sommer, ist da schon was drin. Dann gibt es die Tankspediteure – bzw die Fahrer – die sich die sogenannten Plus-Mengen einstecken. Soll heissen: An der Raffinerie bei 15°C 30.000 ltr geladen und dann etwa 2,5 Stunden an einem netten Sommertag, da sind wir bei 20° waremer Suppe und dann kommen 30.150 ltr an (zum Bespiel ich habs jetzt nicht egnau nachgerechnet, aber die Summen sind realistisch). Wenn ich die aber beim ablassen im Tank drin lasse, weil keiner nach den leeren Schaugläsern sieht, sind das locker 200 € schwarz.

    Selbst 30.000 ltr bei 15° sind nicht 30.000 ltr bei 15°, da sind auch noch wie oben geschrieben “Messtoleranzen” drin…

    Das sind alles noch halbwegs legale “Rechenkunststücke” – da hat noch niemand an der Tankuhr manipuliert oder die Suppe hinter der Uhr wieder in den Tank laufen gelassen !
    Die Heizölbescheisser kommen da erst zum Tragen. (“Das ist aber erstaunlich, wenn ich das Öl bei XXXX bestelle, geht immer mehr in den Tank ….”)

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