2.47 Uhr in der Nacht von Sonntag auf Montag, mein Handy klingelt, ich schaue verschlafen auf das Display und sehe eine Kölner Nummer. Warum ruft mich jemand mitten in der Nacht an, ein paar Sekunden vergehen bis ich einen klaren Koopf bekomme. Kölner Nummer. Mitten in der Nacht. Das ist unsere Sicherheitsfirma. Ich hebe ab, steige schonmal aus dem Bett und suche meine Hose.
“Hallo?”
“Hallo. $Sicherheitsfirma, wir haben eine Alarmmeldung an ihrer Tankstelle. Meldeort Werkstatt dann Shop um 2.38 Uhr. Wir haben aufgrund von Geräuschen und Stimmen die Polizei informiert. Der Polizeiführer hätte gerne jemanden mit Schlüssel vor Ort.”
“Ich bin unterwegs!”
“Wie lange brauchen Sie ungefähr?”
“Maximal 15 Minuten!”
“Alles klar!”
Schnell etwas angezogen und dann ab zur Tankstelle. Auf dem Weg hoffe ich eigentlich nur, dass der Schaden nicht zu groß ist. Wie oft haben Einbrecher schon Autos in Eingangstüren gesetzt oder auf dem Weg nach draußen mutwillig zig Spirituosenflaschen auf den Boden geworfen. Nicht nur, dass da ein Schaden von mehreren tausend Euro entsteht, nein, allein die Arbeitszeit beträgt dann mehrere Stunden. In der schlimmsten Kneipe auf St. Pauli würde es dagegen noch riechen die bei Douglas.
Um den Tresor mache ich mir keine Gedanken. Um den zu knacken bzw aus dem Boden zu reißen, ist einiges an Zeit nötig. Zuviel, als das die Polizei die Jungs nicht bekommen würden, aber Tabakwaren? Schnell, leicht und einfach zu transportieren. Aber hier fahren die Polizisten auch Streife. Kann sehr schnell gehen. Vielleicht war auch die Mainzer Polizei in der Ecke, doppelte Chance.
Noch eine Kurve und ich erreiche die Station, am Kreisel vor der Tankstelle flackern schon die Blaulichter, durch die offenen Fenster des Autos dringt Hundebellen. Da scheint man eventuell eine Spur zu haben.
Beim Eintreffen sehe ich zwei Polizeiautos und ein ziviles Fahrzeug. Wow. Das ging schnell mit der Kripo.
“Morgen!”
Polizistin: “Guten Morgen. Der Kollege dort hinten wird ihnen weiterhelfen!”
Also ab zu dem Kollegen der an der Seitentür der Werkstatt steht. Die Tür steht auf und man sieht den Einsatz eines Brecheisens, die Tür ist komplett verbogen. Das lässt schlimmes Ahnen, für die restlichen Türen im Gebäude.
“Ich beruhige sie erstmal. Die Täter sind ohne Waren geflüchtet. Die hatten es nur auf die Tabakwaren abgesehen, vorne liegt ein Bettlacken mit den Stangen und Päckchen. Die wurden wohl von den Kollegen gestört. Zwei Hundestaffeln suchen schon und mehrere Kollegen grasen das Gebiet ab.”
Während dessen sehe ich auf dem Nachbargrundstück Taschenlampenlichter alles absuchen.
“Darf ich ins Büro?”
“Leider noch nicht, die Hunde und Kollegen sichern gerade noch Spuren, wieso?”
“Ach, ich bräuchte nur Feuer…”
Es vergehen circa zehn bis fünzehn Minuten, ich schaue mir vorne die Glasscheiben an, alles ganz. Gute Nachricht, im Shop sehe ich dann das Bettlacken. Das waren Profis. So transportiert man die Stückware perfekt ab.
“Sagen Sie mal, wollen Sie gleich mal die Videoüberwachung anschauen?”
“Sie haben eine?”
Der Kollege von der Kripo drückt mir zwei Einweghandschuhe in die Hand…
“Aber Achtung, da waren die auch drin!”
“Im Büro?”
“Ja, die ist doch direkt hinter der Kassenzone, oder?”
“Nein, im Flur”
“Achso, ne, dann doch nicht. Dann Handschuhe auslassen und einfach nichts anfassen.”
Wir gehen ins Büro und schauen uns die Bilder an. Aussagekräftig sind die Bilder nur bedingt. Man sieht die Vorgehensweise, die teilweise stoische Ruhe beim Einpacken. Man schaut nur nach unten, die Gesichter mit der Kapuze vom Puli zugebunden. Der Eine trägt einen Puli, mit drei Querstreifen und eine Jeans. Der andere trägt einen weißen Overall, die ihn auch Lackierer benutzen. Beide packen die Ware in Ruhe ein und plötzlich schauen beide raus und hauen ab, lassen dabei alles stehen. Wieso? Die Polizei? Wahrscheinlich.
Beim abhauen dann der entscheidende Fehler, einer der zwei, der erste, schaut etwas zu weit nach oben, ein Teil des Gesichtes. Sollte man beide also Finden, würde das zur Identifikation führen können. Laut dem einen Polizisten, wird das Band nun an das BKA geleitet, die werden das Bild auffrischen und dann ein Standbild daraus basteln. Das hätte schon bei einigen wahre Wunder geholfen.
Beide Tragen Einweghandschuhe, deutlich auf den Bildern zu erkennen. Wir verzichten also auf die Spurensicherung, die würden erst Morgens kommen und dann wäre der Shop erstmal zu. Wir entschließen uns dann, auf das unsinnige Prozedere zu verzichten. Wir haben immerhin schon einiges.
Ich bleibe dann an der Station, da die Außentür nicht mehr zu verschließen ist. Nachdem ich die Tabakwaren wieder einsortiert habe, öffne ich einfach mal zwei Stunden früher als geplant. War zwar nicht soviel Los, aber einige Kunden waren Dankbar. Kurz darauf kam auch schon der Zeitungenfahrer und die Kraftstoffspedition. Es war genug los. Die richtige Arbeit fing dann um acht Uhr an.
Die Mineralölgesellschaft muss informiert werden, hier vielen Dank an den zuständigen Sachbearbeiter der mir viel Hilfe anbot, die Versicherung, die Schließanlage muss komplett erneuert werden und die Sicherheitsfirma, wegen Überprüfung der Alarmanlage, waren anzurufen.
Neben viel Schreibarbeit mussten Bilder gemacht, der Schlosser musste direkt kommen um die Türen und Schlösser provisorisch Instand zu setzen und ein Kostenvoranschlag für den Austausch der Schließanlage erstellt werden.
Die Sicherheitsfirma sendete mir per Mail noch ein Alarmprotokoll mit den Uhrzeiten und Maßnahmen zu und gleichzeitig der Mitschnitt der betreffenden Uhrzeit. Hier wurde es interessant, dass 52 Sek. dauernde Audiofile beinhaltet ab Sekunde 18 die Stimmen der Täter, zwar leise aber vorhanden. Zuhause habe ich die Anlage mal aufgedreht und das ganze Ablaufen lassen, zu hören ist vor allem, dass es keinen Dialekt in der Stimme gibt. Anzunehmen also, dass die Täter Deutsche sind oder schon lange hier leben. Sie sprechen Einwandfrei Deutsch. Der Inhalt ist etwas unschlüssig durch die Störgeräusche. Es könnte heißen: “Ich glaube, das…” oder “Ich bezweifel, dass…”.
Ich habe das alles mittlerweile an die Polizei gesendet, die das nochmal restaurieren wollen und ihre Möglichkeiten prüfen werden, wer weiß was da raus kommt.
Für alle Interessierten gibt es das Audiofile hier auch mal:
Audiomitschnitt Einbruch.
Sollte sich jemand von den Lesenden mit Audiotechnik auskennen und die Stimmen besser und klarer zu machen, wäre mein Dank ihm sicher.
Von Bildern werde ich vorerst absehen, da ich momentan noch Überlege, ob es Sinnvoll ist die Kassenzone zu zeigen.
Ein großer Dank gilt der örtlichen Polizei und der Kripo, die alle sehr nett waren und natürlich der Sicherheitsfirma, die hervorragende Arbeit leistete.
Ansonsten, verlorener Arbeitstag, viel mehr und viel neue Arbeit bekommen. Danke, Arschlöcher.
PS: Wobei mir wichtig ist zu erwähnen, die Täter hatten wirklich Glück, die Polizei war nur wenige Augenblicke später vor Ort und hätten diese erwischt. Allerdings ist mir ein Einbruch tausendmal lieber, als ein Raubüberfall. Gott bewahre und davor.
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