Eine Kollegin von mir, hat in der nächsten Großstadt eine große, zentral gelegene Tankstelle. Die Schichten sind permanent mit zwei, in den Stoßzeiten sogar mit drei Mitarbeitern besetzt.
Für solche Tankstellen sind natürlich verläßliche Mitarbeiter von nöten, vor allem aber ein oder zwei die auch mal im Krankheitsfall von Chef oder Cheffin das Ruder übernehmen können. Angefangen von der einfachen Bestellung bis hin zum Geldtransit zur Bank. Auf diese Leute muss man sich 100% verlassen können. Entsprechend werden diese natürlich ausgebildet und auch bezahlt.
Die Kollegin dachte, sie hätte einen Riesenfang mit Frank (Name geändert) gemacht. Tankstellenerfahren, jung, dynamisch und belastbar. Der perfekte Mitarbeiter.
Bis es auf einmal Anfing, dass Massenweise Brötchen verschwanden. Nun herauszufinden, wo das Leck ist, ist nicht ganz so einfach. Jeder Mitarbeiter kennt die Kameras, das Kassensystem und natürlich den Chef. Wer betrügen will, der kann das auch. Lange.
Am Ende, wird er jedoch auffliegen, so oder so. Es kommt nur auf den Zeitraum an. Wir sind hier nicht bei einer großen Supermarktkette, die für solche Fälle extra Revisoren beschäftigen und täglich nichts anderes machen, als Betrüger in den eigenen Reihen aufzuspüren.
Es gingen noch drei, vier Wochen ins Land und die Kollegin hatte das Leck gefunden: Frank.
Was man ihm nachweisen konnte, waren Lapalien. Der Schaden betrug bis dahin umgerechnet weit mehr als 10.000€.
Sie recherchierte, wo er denn davor gearbeitet hatte und fand eine Tankstelle in einer anderen Großstadt. Auch da lief die Geschichte wohl so ab wie bei ihr. Einschleimen, alles machen, alles tuen. Alles zur 100%igen Zufriedenheit. Dann, als er endlich alles kannte, klaute er. Und zwar nicht nur bei der Chefin, nein, auch bei den Kollegen. Hier mal 20 Euro aus der Kasse, dann mal da. Bluten mussten immer die anderen. Kollegenschwein.
Ein paar Wochen war er verschwunden von der Bildfläche. Nachweisen konnte man ihm nur die Tat mit ein paar Brötchen, nichts großes. Kein Eintrag in das Führungszeugnis. Lapalien für den Gesetzgeber.
Plötzlich tauchte er an einer anderen Tankstelle wieder auf, durch Zufall erfuhr es die Kollegin. Sie rief direkt bei der Tankstelle an, erzählte die Geschichte von ihr und dem früheren Arbeitgeber von Frank. Schockzustand auch da. Er? Frank? Nein, er sei so Nett und kann doch alles. Außerdem wollen Sie morgen endlich mal wieder eine Woche in Urlaub fahren. Sie fuhren direkt zur Kripo, denn Frank hatte sich mit dem Ausweis eines Freundes anmelden lassen, ja nicht unter dem eigenen Namen. Als sie zurück zur Tankstelle kamen, war Frank nicht mehr da. Er hatte wohl die Nummer der Kollegin auf dem Telefondisplay gesehen und wusste was los war. Zu der zweiten Kassenschicht sagte er, er müsse dringend weg. Probleme Zuhause. Von wegen.
Er kam auch nie wieder, besser ist das!
Heute Morgen rief die Kollegin bei mir an. Er würde nun anscheinend in meinem Nachbarort an einer freien Tankstelle arbeiten, ob ich den Kontakt herstellen könne. Natürlich kann ich! Ich rief dort an, kenne den Chef natürlich und schilderte ihm die Situation. Oje. Ob ich mir sicher wäre? Zu 95%. Wie heißt der Kerl denn? Frank! Dann bin ich mir sicher. Ihm wären schon Inventurdifferenzen aufgefallen, aber er hätte nicht gedacht, dass er das sei. Er arbeite doch schon vier Monate dort.
Nett, charmant, freundlich. Man muss die Leute nur um den Finger wickeln können. Aber, Frank, egal wo du hier im Umkreis hingehst, wir werden dich finden und alles erzählen.
Die ganze Geschichte. Bei Leuten wie dir, würde ich mir manchmal gerne die Finger schmutzig machen, aber nein, für Leute wie dich, da lohnt sich das ganze nicht. Wir erzählen einfach immer und immer wieder deine Geschichte. Irgendwann, wird auch der Gesetzgeber merken, wer du bist. Und ein geeignetes Strafmaß finden und einen Eintrag ins Führungszeugnis.
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Veröffentlicht in Sonstiges