30. September 2010 ~ Keine KundenKunden

Lebensberatung

So leid mir viele Kunden auch tuen, ich kann hier keine Lebensberatung am Tresen anbieten. Ich verstehe, dass viele – gerade ältere Menschen – meist nur noch den Kassierer haben. An der Tankstelle, im Supermarkt, beim Bäcker und Metzger.
Viele wollen einfach nur von ihren Sorgen erzählen, wenn überhaupt. Manchmal geht es um die reine Unterhaltung ansich.

Ich verstehe das, ich würde auch gerne helfen. Aber ich kann einfach nicht. Zum einen der zu große Kundenverkehr, zum anderen würde ich verrückt werden. Mehr als ich eh schon bin, gut meine Freunde würden jetzt sagen: Geht nicht.

Das beste Beispiel eben: Ein Ehepaar, beide um die 80 fahren an die Zapfsäule. Die Frau steigt aus und hängt kurz darauf die Zapfpistole wieder ein. Getankt: 85 Cent. Sie klopft am Beifahrerfenster, damit ihr Mann sich von dem Lenkrad wegbequemnt und aussteigt. Eine kurze Diskussion und der Ehemann wird direkt laut. Beide Zanken rum bis die Frau in den Shop kommt und erstmal bezahlt.

Sie geht wieder zum Auto, der Mann tankt und zankt weiter. Schön laut, er macht die Frau anscheinend richtig rund. Die Arme. Aber was soll ich machen?
Als er fertig ist, kommt Sie wieder rein und sie schaut mich traurig an: “Arschloch. Kann froh sein das ich keine gefangen hab. Das Arschloch. Kann ich mir nun wieder die ganze Zeit anhören alles.” Sie blieb kurz stehen, sie erwartete eine Reaktion von mir.
Aber was soll ich sagen? Machen? Tuen?

Es tut mir in solchen Situationen wirklich leid, aber ich bin nicht der richtige Ansprechpartner… Natürlich, bei direkter Gewalt würde ich einschreiten, die Polizei rufen. Aber da? Ich wünschte, ich könnte es besser. Wirklich!

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29. September 2010 ~ 2 KundenmeinungenKunden

Keine Ruhe

Es scheint manchmal vollkommen egal, was man sagt…

Wir bezogen noch zu AGIP Zeiten Non-Food-Ware (z.B. Spielzeug, Feuerzeuge, Lufterfrischer) von einer bestimmten Firma, nennen wir diese Schulzemüller. Die dortige Mitarbeiterin rief alle sechs Wochen an, erzählte mir was es denn Neues gab und so entstand ein kleines eingespieltes Team. Die Preise waren in Ordnung, der Service auf und alles war gut.

Irgendwann ging die entsprechende Dame in Mutterschaftsurlaub und man kontaktiere mich nicht mehr. Ich suchte mir also einen neuen Lieferanten und lernte die telefonische Ruhe schätzen. Statt Anrufe gab es einen Katalog und einen Online-Shop. Perfekt. Die Preise waren zudem noch besser. Man rief mich nur bei Unklarheiten der Bestellung zurück und hielt mich nicht lange auf.

Nach einem etwas größeren Zeitraum meldete sich Firma Müllerschulze dann doch wieder. Ich erklärte der Dame, dass ich mittlerweile einen neuen Lieferanten habe und keine Angebote mehr möchte. Nach etwas hin und her legte Sie einfach auf.
So geht das nun im Monatsrythmus. Gestern rief ein Mann an und wollte sich vorstellen. Fett, wie immer ich.

Entschuldigung, dass ich Sie Unterbreche. Aber ich habe schon den Kolleginnen von Ihnen gesagt, dass ich keine Geschäftsbeziehungen mehr zu Ihnen wünsche!

Achso, aber wir können das auch nur Weiterleiten.

Das mag ja sein, ändert aber nichts an der Geschichte, dass ich mich immer mit den Anrufen herumschlagen muss!

Wir machen ja auch nur unsere Arbeit und wenn Sie nicht ausgetragen werden, dann kann ich auch nichts dafür!

Ich auch nicht. Trotzdem mag ich nicht mehr angerufen werden!

Das dürfen Sie aber nicht mir zum Vorwurf machen!

Das muss ich sogar, im Endeffekt sind Sie mein Ansprechpartner!

Dann legte er einfach auf, mal gespannt wie lange es jetzt wieder Dauert. Übrigens hat die Schulzemüller eine Schwesterfirma. Die schicken seit ewigen Zeiten Kataloge und rufen an, ob man den Katalog denn bekommen habe.

Ja, habe ich. Wünsche aber trotzdem keine Geschäftsbeziehungen zu Ihnen!

Aber Kataloge dürfen wir schicken, oder?

Ja, aber das ist rausgeschmissenes Geld!

Vielleicht ja zu Weihnachten. Auf Wiedersehen.

Tuuuut. Tuuuut.

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20. September 2010 ~ 5 KundenmeinungenKunden

Ausnahme, große Ausnahme!

Normalerweise erledige ich meine Bankgeschäfte Vormittags. Hin und wieder, je nachdem wie das Tagesgeschäft so läuft, muss das dann jedoch Nachmittags erfolgen.
Die übliche Banken Mittagspause ist von 13 – 14 Uhr, Mittwochs und Freitag sind kurze Tage. Da wird nach der Mittagspause gar nicht mehr geöffnet. Aber dafür haben die ja auch drei lange Tage, seit Mitte des letzten Jahres sogar teilweise bis 20 Uhr nach Vereinbarung.

Danach regelt sich natürlich auch in gewisser Weise mein Tagesablauf und das Geld muss ja auf die Bank. Immerhin wird das Agenturgeld schon am nächsten Tag abgebucht und ein Soll, “sollte” man sich da nicht erlauben. Das sieht jede Mineralölgesellschaft auch gleich.

Es gab mal Fälle, da sind Pächter mit einer Wocheneinnahme von Agenturgeldern verschwunden. Der Chef oder Chefin kamen Montags einfach nicht mehr wieder.

Okay ich merke, ich muss doch etwas weiter ausholen:
Also, Pächter sind generell Handelsvertreter. Diese Verkaufen Kraftstoffe im Namen und Rechnung der Mineralölgesellschaft. Eine Tankstelle mit 20.000 Liter pro Tag, kommt somit auf einen größeren vierstelligen Bargeld-Betrag.
Am nächsten Tag wird das von der MÖG in Rechnung gestellt und zur Bank gegeben, der Einzug ist in der Regel am folgenden Tag. Das Konto wird per Sondervereinbarung für andere Lastschriften oder Überweisungen gesperrt und vor Pfändungen bewahrt. Die Bank verpflichtet sich, dass Lastschriften nur eingelöst werden, wenn dadurch das Konto nicht ins “Soll” ruscht.
Sollte somit eine Lastschrift nicht durchgehen, sondern von der Bank – wegen einem zu geringen Guthaben – zurück gehen, dann, ja dann darf sich der Pächter warm anziehen. Eine Abmahnung wird das Mindestens geben.

Der Grund dafür ist ganz einfach, es gab schon Pächter, die haben einfach Mal eine Woche lang das Geld gesammelt und haben sich dann abgesetzt. Da hat das Tankstellenteam irgendwann im Laufe der folgenden Woche mal bei der MÖG erkundigt, wo denn der Pächter sei, man finde ihn nicht mehr. Die Ex-Kollegen hatten teilweise fast 100.000€ in der Tasche und sind weg.
Dadurch sind die MÖGs natürlich gewarnt und sind extrem sensibilisiert, wenn Lastschriften von Agenturkonten zurück kommen.

Was wollte ich eigentlich mit dem Beitrag sagen? Achja, da ist man Mittags mal auf der Bank und dann haben die wegen der Kerb im Ort zu. Morgens natürlich nicht.

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14. September 2010 ~ 3 KundenmeinungenKunden

Telefoneinheiten

Es kommt immer mal wieder vor, dass Kunden und Kundinnen hier mal Telefonieren möchten. Entweder ist der Akku vom Handy leer oder sie haben gar kein Handy.

Natürlich geben wir das Telefon gerne raus und lassen die Leute ihre dringenden Telefonate von hier aus erledigen, wieso denn auch nicht? Darunter verstehe ich natürlich auch Kundenservice.

Und immer wieder die Frage, was das denn nun kosten würde. Tja, was kostet das denn nun? Haben Sie im Ausland angerufen? Nein? Tja, dann vielen Dank und bis zum nächsten Besuch.
Wir sind ja nicht mehr in den 80ern, als Telefonate noch wirklich Geld kosteten, bezüglich Orts- und Ferngespräche.

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10. September 2010 ~ 8 KundenmeinungenKunden

Da ist Benzin drin!

Anruf gestern Abend um 19:30 Uhr von der Kassiererin:

“Patrick, hier ist ein Kunde, der sagt, dass im Diesel anscheinend Benzin drin ist. Das hätte er während dem Tankvorgang gerochen!”
Okay, das ist nicht möglich. Sag dem Kunden, was auch immer er da gerochen hat, es war auf jedenfall kein Benzin das aus seinem Dieselhahn gekommen ist.
“Okay, mache ich.”

Zwei Minuten später klingelt das Telefon wieder, irgendwie war mir das ja klar…

Ja?
“Der Kunde sagt da wäre auf jedenfall Benzin drin. Und er könnte so schlecht weg fahren, mit dem ganzen Benzin in seinem Tank!”
Nochmal: Wir haben heute fast 7000 Liter Diesel verkauft, wäre da WIRKLICH Benzin im Tank, wären schon unzählige Autos kaputt gegangen. Da ist auf jedenfall Diesel drin, dass ist technisch auch der Unwahrscheinlich. Dann müsste der Tanklaster schon an der Beladestelle mit dem falschen Kraftstoff losgefahren sein und dann würde das auch noch andere Tankstellen betreffen. Sag dem Kunden, dass er mir glauben soll.
Er kann getrost losfahren und er wird die nächsten zwei Kilometer nicht stehen bleiben, was beweisen würde, dass kein Benzin sondern doch Diesel geflossen ist!

“Ich richte es aus…”

Nach der Geschichte, konnte das noch nicht am Ende sein… Wetten? Meine Gedanken wurden unterbrochen… vom klingeln meines Handys.

Seelsorge…
“Der Kunde will nicht Wegfahren…”
Ja mei… Gib ihn mir mal.
“Ja, Moment. Der steht nun am Auto!”

Sie bringt dem Kunden dann schnell das Telefon, die anderen Kunden wollen ja auch noch bedient werden!

“Hallo?”
Walter hier. Hallo. So, wo liegt denn das Problem?
“Ich habe eben Diesel getankt, aber da kommt Benzin raus. Das riecht sehr stark nach Benzol!”
Guter Mann. Glauben Sie mir, dass ist nicht Möglich das Sie ein falsches Produkt bekommen haben. Versprochen. Der Tanklaster kann, alleine von der Elektronik her, kein falsches Produkt abladen. Wir haben heute schon mehrere tausend Liter Diesel verkauft. Da müssten die Autos reihenweise kurz nach der Tankstelle kaputt gehen, wenn das so wäre. Außerdem wären andere Tankstellen auch betroffen. Wäre es also so, dass die Produkte an der Beladestelle vertauscht worden wäre, würde das innerhalb kürzester Zeit auffallen und nicht erst 12 Stunden später.
Sie können in Ruhe einfach losfahren.

“Das kann ich nicht, da ist Benzin drin!”
Okay, also, sie haben natürlich die Möglichkeit, ihren Tank vom ADAC leerpumpen zu lassen, dass ganze zu versiegeln und einem unabhängigen Gutachter vorzulegen, aber wenn sich herausstellt, und das wird es, dass das Diesel – laut Definition des Gesetzgebers – ist, dann wird das nicht von uns bezahlt. Sollten allerdings ihr Auto, die nächsten 20 Kilometer nicht kaputt gehen, werden Sie daher merken, dass das kein Benzin, sondern doch Diesel ist.
“Gut, dann fahre ich jetzt, aber sollte ich die nächsten 20.000km einen Motorschaden haben, ziehe ich SIE in Regress!”
Ich will Sie nun nicht angreifen, aber das wird Ihnen dann kein Gericht der Welt mehr abnehmen, nach 20.000km. Ein Motorschaden durch Benzin bei einem Diesel, in ihrer Menge, würde unmittelbar auffallen.

Damit war das Gespräch beendet, ungefähr zehn Minuten später rief meine Kassiererin nochmal an. Er hätte danach noch mit der VW-Notfallhotline telefoniert. Anscheinend haben die ihm aber auch geraten loszufahren. Er hat sich nur Quittieren lassen, dass er wirklich Diesel getankt hat.

Schwere Geburt an einem Donnerstag Abend…

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