So leid mir viele Kunden auch tuen, ich kann hier keine Lebensberatung am Tresen anbieten. Ich verstehe, dass viele – gerade ältere Menschen – meist nur noch den Kassierer haben. An der Tankstelle, im Supermarkt, beim Bäcker und Metzger.
Viele wollen einfach nur von ihren Sorgen erzählen, wenn überhaupt. Manchmal geht es um die reine Unterhaltung ansich.
Ich verstehe das, ich würde auch gerne helfen. Aber ich kann einfach nicht. Zum einen der zu große Kundenverkehr, zum anderen würde ich verrückt werden. Mehr als ich eh schon bin, gut meine Freunde würden jetzt sagen: Geht nicht.
Das beste Beispiel eben: Ein Ehepaar, beide um die 80 fahren an die Zapfsäule. Die Frau steigt aus und hängt kurz darauf die Zapfpistole wieder ein. Getankt: 85 Cent. Sie klopft am Beifahrerfenster, damit ihr Mann sich von dem Lenkrad wegbequemnt und aussteigt. Eine kurze Diskussion und der Ehemann wird direkt laut. Beide Zanken rum bis die Frau in den Shop kommt und erstmal bezahlt.
Sie geht wieder zum Auto, der Mann tankt und zankt weiter. Schön laut, er macht die Frau anscheinend richtig rund. Die Arme. Aber was soll ich machen?
Als er fertig ist, kommt Sie wieder rein und sie schaut mich traurig an: “Arschloch. Kann froh sein das ich keine gefangen hab. Das Arschloch. Kann ich mir nun wieder die ganze Zeit anhören alles.” Sie blieb kurz stehen, sie erwartete eine Reaktion von mir.
Aber was soll ich sagen? Machen? Tuen?
Es tut mir in solchen Situationen wirklich leid, aber ich bin nicht der richtige Ansprechpartner… Natürlich, bei direkter Gewalt würde ich einschreiten, die Polizei rufen. Aber da? Ich wünschte, ich könnte es besser. Wirklich!
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